Das habe ich gelernt: Die Grundlagen der Finanzbuchhaltung verstehen

Während meiner bisherigen Laufbahn als Marketingleiter gehörten Budgets, Forecasts, KPI-Dashboards und Reportings zum Alltag. Zahlen waren die Grundlage vieler Entscheidungen – sei es bei der Planung von Kampagnen, der Steuerung von Verkaufsaktivitäten oder bei Budgetgesprächen mit der Geschäftsleitung. Mit meiner Weiterbildung zum Sachbearbeiter Treuhand an der AKAD in Zürich-Oerlikon lerne ich nun die Grundlagen kennen, auf denen all diese Zahlen überhaupt entstehen.

Mit dieser Blogserie halte ich meine wichtigsten Erkenntnisse fest. Einerseits dient sie mir als Repetition für die Prüfung, andererseits möchte ich den Stoff so aufbereiten, dass auch andere Quereinsteiger oder Interessierte einen einfachen Zugang zur Finanzbuchhaltung erhalten.

Rechnungswesen – weit mehr als nur Buchhaltung

Zu Beginn der Weiterbildung wurde mir bewusst, dass das Rechnungswesen weit mehr ist als das Erfassen von Belegen. Es erfüllt zahlreiche Aufgaben: Es dokumentiert sämtliche Geschäftsfälle eines Unternehmens, zeigt dessen Vermögen, Schulden und Eigenkapital auf, weist den Unternehmenserfolg aus und dient gleichzeitig als Informations- und Kontrollinstrument. Darüber hinaus bildet es die Grundlage für betriebswirtschaftliche Entscheidungen und erfüllt wichtige gesetzliche Anforderungen.

Neu war für mich auch die Erkenntnis, dass das Rechnungswesen nicht nur rückblickend dokumentiert, sondern Unternehmen aktiv bei der Planung, Steuerung und Kontrolle unterstützt. Die Finanzbuchhaltung richtet sich dabei primär an externe Anspruchsgruppen, während die Betriebsbuchhaltung Informationen für interne Entscheidungen liefert.

Vom Inventar zur Bilanz

Bevor überhaupt eine Bilanz erstellt werden kann, braucht es eine vollständige Bestandsaufnahme. Genau hier kommen die Begriffe Inventur und Inventar ins Spiel.

Die Inventur bezeichnet die Tätigkeit der Bestandsaufnahme. Sämtliche Vermögenswerte und Schulden eines Unternehmens werden erfasst. Das daraus entstehende Verzeichnis nennt man Inventar.

Aus dem Inventar lässt sich das Eigenkapital berechnen:

Vermögen – Schulden = Eigenkapital (Reinvermögen)

Diese einfache Formel zieht sich wie ein roter Faden durch die Finanzbuchhaltung und bildet die Grundlage für das Verständnis der Bilanz.

Vermögen

Zum Vermögen gehören sämtliche Werte, die einem Unternehmen gehören – beispielsweise Bargeld, Bankguthaben, Forderungen gegenüber Kunden, Warenlager, Maschinen oder Fahrzeuge. Im Inventar werden sie nach ihrer Liquidität geordnet. Das bedeutet: Je schneller sich ein Vermögenswert in Geld umwandeln lässt, desto weiter oben erscheint er.

Schulden

Schulden – auch Fremdkapital genannt – umfassen sämtliche Verpflichtungen gegenüber Dritten. Dazu gehören beispielsweise Lieferantenrechnungen, Bankdarlehen oder Hypotheken. Sie werden nach ihrer Fälligkeit geordnet.

Eigenkapital

Das Eigenkapital ergibt sich als Differenz zwischen Vermögen und Schulden. Es zeigt, welcher Teil des Unternehmens den Eigentümern tatsächlich gehört und macht gleichzeitig deutlich, welches unternehmerische Risiko diese tragen.

Die Bilanz – das finanzielle Spiegelbild eines Unternehmens

Während das Inventar alle Positionen detailliert auflistet, fasst die Bilanz diese Informationen übersichtlich zusammen.

Sie besteht aus zwei Seiten:

Aktiven
Sie zeigen, welche Vermögenswerte ein Unternehmen besitzt und wie das Kapital investiert wurde.

Passiven
Sie zeigen, woher das Kapital stammt – also aus Fremdkapital oder Eigenkapital.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Lektion war für mich die Bilanzgleichung:

Aktiven = Passiven

Diese Gleichung gilt immer. Jedes Vermögen wurde entweder durch eigenes oder fremdes Kapital finanziert. Deshalb bleibt die Bilanz unabhängig von den Geschäftsfällen jederzeit im Gleichgewicht.

Was eine Bilanz über ein Unternehmen verrät

Ich fand besonders spannend, dass eine Bilanz weit mehr Informationen liefert, als ich bisher angenommen hatte.

Bereits anhand einzelner Bilanzpositionen lässt sich oft erkennen, in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist. Handelsunternehmen weisen beispielsweise Warenvorräte aus, Produktionsunternehmen verfügen zusätzlich über Rohmaterialien, Halbfabrikate oder Maschinen. Bei Dienstleistungsunternehmen hängt die Bilanz hingegen stark von der jeweiligen Tätigkeit ab.

Auch die Rechtsform eines Unternehmens lässt sich häufig an der Passivseite erkennen. Während bei einem Einzelunternehmen das Eigenkapital des Inhabers ausgewiesen wird, erscheinen bei einer Aktiengesellschaft unter anderem Aktienkapital, Reserven und Gewinnvortrag.

Meine Verbindung zur Praxis

In meiner bisherigen Tätigkeit habe ich Kennzahlen regelmässig interpretiert und daraus Massnahmen abgeleitet. Die Bilanz spielte dabei meist eine untergeordnete Rolle. Erst jetzt verstehe ich, dass sämtliche Kennzahlen letztlich auf den Informationen der Finanzbuchhaltung basieren.

Für mich schliesst sich damit ein Kreis. Früher stand für mich die Frage im Mittelpunkt, was die Zahlen aussagen. Heute lerne ich zusätzlich zu verstehen, wie diese Zahlen entstehen. Dieses Wissen hilft mir nicht nur bei der Weiterbildung, sondern auch dabei, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge noch besser einzuordnen.


Das nehme ich aus dieser Lektion mit

  • Das Rechnungswesen ist die Grundlage für Planung, Kontrolle und unternehmerische Entscheidungen.
  • Die Inventur ist die Bestandsaufnahme, das Inventar deren Ergebnis.
  • Das Eigenkapital berechnet sich aus Vermögen minus Schulden.
  • Die Bilanz fasst das Inventar übersichtlich zusammen.
  • Die Aktivseite zeigt das Vermögen, die Passivseite dessen Finanzierung.
  • Die Bilanz ist immer im Gleichgewicht: Aktiven = Passiven.
  • Bilanzpositionen geben Hinweise auf Branche und Rechtsform eines Unternehmens.

Mein persönliches Fazit

Dieses erste Kapitel war für mich weit mehr als eine Einführung in die Buchhaltung. Es hat mir gezeigt, wie eng Finanzbuchhaltung und Unternehmensführung miteinander verbunden sind. Viele Kennzahlen, mit denen ich in den vergangenen Jahren gearbeitet habe, erhalten durch die Grundlagen des Rechnungswesens eine neue Bedeutung.

Ich merke bereits jetzt, dass ich die Sprache der Buchhaltung immer besser verstehe. Genau das motiviert mich, meinen Weg vom Marketingleiter zum Treuhänder konsequent weiterzugehen.